Ars Choralis Coeln (D)

"Devotio Moderna" - Die neue Frömmigkeit am Vorabend der Reformation

Sonntag, 24. September 2017, 17.00 Uhr

76857 Eußerthal, Ehem. Zisterzienserkirche

15.30 Uhr Kirchenführung

ACC

Ars Choralis Coeln ist über mehrere Jahre in kontinuierlicher Arbeit und Besetzung zusammengewachsen und teilt sich vor dem Konzert auch noch hungrig „das letzte Butterbrot“ – oder den Lippenstift. Das international besetzte Frauenensemble gab 2004 in der Kölner Romanischen Nacht sein großes Debütkonzert. Seit dieser Zeit hat es das Ensemble geschafft sich national wie international in der Mittelalter- Musikszene zu etablieren. Auch zahlreiche Tonträger legen klangliches Zeugnis ab. Im Mittelpunkt des Repertoires steht die Musik von Frauenklöstern des Mittelalters. Dazu gehört an erster Stelle die Musik der rheinischen Äbtissin Hildegard von Bingen, die in zahlreichen Handschriften überlieferte Musik der Beginen und der Devotio Moderna.

Musik aus dem Liederbuch der Anna von Köln, dem Wienhäuser Liederbuch, und der Berliner Hs. 190

Die Devotio Moderna (neue Frömmigkeit) gilt als die bekannteste religiöse Reformbewegung des Spätmittelalters. Sie drückte nicht nur Kritik an bestehenden Verhältnissen aus, sondern sie war zugleich Ausdruck eines neuen Geistes, der dem Humanismus verwandt ist, und somit Wegbereiter weltlicher und kirchlicher Erneuerungen.

Zwischen der Devotio Moderna und der Reformation bestanden wenig personelle, aber viele inhaltliche Berührungen. Beide haben sich gegenseitig beeinflusst. Der reformatorische Glaube stahl den Brüdern und Schwestern des gemeinsamen Lebens – so nannte man die Devoten –seinen originellen Charakter und spaltete die Geister. Die einen schlossen sich der Reformbewegung an, die anderen grenzten sich gegen sie ab. Ebenso wirkte die Devotio Moderna auf die Reformation als Konkurrenzfaktor, an dem sich die reformatorischen Geister spalteten: Luther übernahm Elemente devoter Frömmigkeit, während andere sie ablehnten.

KlingenmünsterAuch in ihrem stark reduzierten Zustand steht die ehemalige Klosterkirche und heutige Pfarrkirche St. Bernhard in der Größenordnung direkt hinter dem mächtigen Otterberg. Das Kloster wurde 1148 gegründet, seit Kaiser Friedrich Barbarossa waren stets zwei Mönche abgeordnet, um dort die Reichskleinodien zu hüten. Der Baubeginn der Kirche ist nicht genau bekannt, er ist um 1200 anzusetzen. Im Jahre 1263 erfolgte die Schlussweihe. Das Kloster, geschwächt durch die Kriege des 15. und 16. Jahrhunderts, wurde 1561 aufgelöst.